Psychiatrie und Psychotherapie für Heilpraktiker

 Psychiatrie

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Koeslin J / Streiber S Psychiatrie und Psychotherapie für Heilpraktiker Leseprobe Psychiatrie und Psychotherapie für Heilpraktiker von Koeslin J / Streiber S…
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Koeslin J / Streiber S Psychiatrie und Psychotherapie für Heilpraktiker Leseprobe Psychiatrie und Psychotherapie für Heilpraktiker von Koeslin J / Streiber S Herausgeber: Elsevier Urban&Fischer Verlag http://www.narayana-verlag.de/b18912 Im Narayana Webshop finden Sie alle deutschen und englischen Bücher zu Homöopathie, Alternativmedizin und gesunder Lebensweise. Das Kopieren der Leseproben ist nicht gestattet. Narayana Verlag GmbH, Blumenplatz 2, D-79400 Kandern Tel. +49 7626 9749 700 Email info@narayana-verlag.de http://www.narayana-verlag.de Symptome • Stimmungshoch: Die Patienten sind teilweise gut gelaunt, ausgelassen und euphorisch, häufiger verhalten sie sich jedoch auch gereizt (dys- phorisch), aggressiv und streitsüchtig. Reizbarkeit und Misstrauen können sich bis zu einem Verfolgungswahn steigern. • Antriebssteigerung: Meist besteht ein großer Tatendrang mit starker Bewegungsunruhe. Die Patienten begehen unüberlegte Handlungen wie z. B. unverhältnismäßige Einkäufe oder spontane Vertragsabschlüsse, die teilweise fatale materielle Konsequenzen nach sich ziehen können. • Logorrhö: Es besteht unentwegter Redefluss und ein starkes Mitteilungsbedürfnis. Eine Manie führt häufig zu einer zumindest zeitwei- • Ideenflucht: Die Patienten springen auf jedes ligen Schuldunfähigkeit und fehlenden Geschäftsfä- Thema an, sie kommen vom Hundertsten ins higkeit. Bei schwerem und rezidivierendem Verlauf Tausendste und haben ständig neue Ideen. kann sogar die Einrichtung einer gesetzlichen Be- • Konzentration: Es besteht eine starke Ablenk- treuung notwendig sein. In einer manischen Phase barkeit. geschlossene Verträge können für ungültig erklärt • Größenwahn mit Selbstüberschätzung oder un- werden. Dennoch können Patienten durch eine ma- realistischem Optimismus. nische Phase oft in ernsthafte finanzielle und soziale • Vermindertes Schlafbedürfnis Schwierigkeiten geraten. • Gesteigerte sexuelle Aktivität mit Promiskuität • Verlust sozialer Hemmungen • Alkohol- und Drogenmissbrauch Ursachen • Suizidalität • Fehlendes Krankheitsgefühl Der Manie liegt ebenso wie der Depression ein • Vernachlässigung von Nahrungsaufnahme und multifaktorielles Geschehen zugrunde. Körperhygiene: In Phasen der Manie mit psy- • Genetische Faktoren: Oft liegt eine familiäre Be chotischen Symptomen kann es zu Dehydration lastung vor. Hierbei ist zu beachten, dass sich das und Verwahrlosung kommen. Erkrankungsrisiko auf eine affektive Störung im Bei weniger stark ausgeprägt manischen Sympto- Allgemeinen bezieht und nicht notwendigerweise men, die nicht den diagnostischen Kriterien einer nur auf eine Manie. manischen Episode entsprechen, spricht man von • Störungen im Neurotransmitterhaushalt: Wäh- einer hypomanischen Phase. Überwiegt eine heitere rend bei einer Depression ein relativer Mangel an und ausgelassene Stimmung, liegt eine euphorische Serotonin und Noradrenalin vorliegt, besteht bei Manie vor. Verläufe mit gereizter und streitsüchtiger einer Manie ein relativer Überschuss an Dopamin Stimmung bezeichnet man als dysphorische Manie. und Noradrenalin. Diagnostik Die Diagnose ergibt sich aus der Erhebung eines ausführlichen psychopathologischen Befunds in Verbindung mit einer Befragung von Angehörigen (Fremdanamnese). Leseprobe von Jürgen Koeslin und Sonja Streiber, „Psychiatrie und Psychotherapie für Heilpraktiker“ Herausgeber: Elsevier Urban & Fischer Leseprobe erstellt vom Narayana Verlag, 79400 Kandern, Tel: 0049 (0) 7626 974 970-0 Differenzialdiagnose • Neuroleptika: Oft ist ein hochpotentes Neurolep- tikum mit antipsychotischer Wirkung (z. B. • Organische Ursachen (> Kap. 10): Bestimmte Olanzapin) mit einem schwachpotenten, sedie- neurologische Erkrankungen wie z. B. Gehirnent- renden zu kombinieren. zündungen, Chorea Huntington, Hirntumoren oder • Sedativa: Zur Sedierung können kurzzeitig auch Multiple Sklerose können mit manischen Sympto- hohe Dosen von Beruhigungsmitteln notwendig men einhergehen (in diesen Fällen kann die Diag- sein. nose nach ICD-10 „organische manische Störung" [F06.30] lauten). Ebenso kann es im Zuge einer Hy- perthyreose zu manischen Symptomen kommen. Weitere therapeutische Maßnahmen • Medikamente und Drogen (>- Kap. 9): Bei • Regulierung des Schlaf- Wach-Rhythmus: Eine spielsweise Antidepressiva, Kortisonpräparate, Schlafdauer von regelmäßig mindestens 6 Stunden Barbiturate, Alkohol, LSD oder Marihuana kön- hat einen antimanischen Effekt. Unter Umständen nen manische Episoden auslösen. muss der Schlaf medikamentös unterstützt werden • Schizophrenie oder schizoaffektive Störung (z.B. Benzodiazepine). Schlaflosigkeit trägt zur (> Kap. 5). Aufrechterhaltung der manischen Symptome bei. • Elektrokonvulsionstherapie: Bei starker Fremd- und Selbstgefährdung oder bei Therapieresistenz Therapie gegen Psychopharmaka kann eine Elektrokonvul- sionstherapie erwogen werden. Leider ist häufig eine Zwangseinweisung notwendig, • Psychoedukation da in der Regel keine Krankheitseinsicht besteht. Aus diesem Grund besteht meist auch keine Basis für die Mitarbeit an einer Therapie. In vielen Fällen ist eine Abschirmung von sozialen Kontakten hilf- reich und notwendig, da sich die Kranken durch ihr problematisches Verhalten oft bleibenden sozialen Schaden zufügen. Deswegen sind Gruppentherapien für Maniker meist ungeeignet. Vielmehr soll die überschießende Energie durch produktive (z.B. Kunsttherapie) und sportliche Aktivitäten kanali- siert werden. Der Umgang mit den Kranken sollte stets bere- chenbar, geduldig und konsequent sein. Wichtig im Umgang mit manischen Patienten ist es, sich nicht provozieren zu lassen und nicht zu konfrontieren, sondern zu deeskalieren. Manische Patienten kön- nen gewalttätig werden. Medikamentöse Therapie • Lithium oder Antiepileptika (z. B. Carbamaze- pin oder Valproat): v. a. Lithium ist ein gut wirk- sames antimanisches Medikament. Die Dosierung muss meist höher gewählt werden als bei Ursachen depressiven Patienten. Auch Antiepileptika können zur Akutbehandlung und Phasenprophylaxe Bei den bipolaren affektiven Störungen geht man ur- eingesetzt werden. sächlich, wie bei der Depression, von einer multifak- Leseprobe von Jürgen Koeslin und Sonja Streiber, „Psychiatrie und Psychotherapie für Heilpraktiker“ Herausgeber: Elsevier Urban & Fischer Leseprobe erstellt vom Narayana Verlag, 79400 Kandern, Tel: 0049 (0) 7626 974 970-0 torieilen Genese (> Kap. 4.1) aus: Relevant sind schwanken dabei aber viel häufiger und dauern oft genetische Faktoren, Störungen im Neurotransmit- nur Stunden an. Das Auftreten von Symptomen ist terhaushalt, kritische Lebensereignisse als auslösen- situationsabhängig. de (nicht ursächliche) Faktoren, psychodynamische • Therapie: Faktoren sowie erlerntes (Fehl-) Verhalten. - Aufgrund der Suizidalität in depressiven Phasen oder wegen des selbstschädigenden Verhaltens während manischer Episoden kann eine stationäre Therapie notwendig sein. - Bei leichteren Verläufen reicht häufig eine langfristige Dauermedikation mit Lithium aus. Bei entsprechender Motivation ist eine Psy- chotherapie möglich und sinnvoll. - Während ausgeprägter depressiver oder mani- Symptome scher Phasen sind die therapeutischen Richtli- nien für die jeweilig im Vordergrund stehende Die Symptomatik ist identisch mit der der Depressi- Episode zu wählen. on und Manie, mit dem Unterschied, dass beide Pole der affektiven Störung abwechselnd auftreten kön- nen. Nur selten sind beide Formen gleichzeitig anzu- treffen (affektiver Mischzustand), in den meisten Fällen treten depressive und manische Schübe hin- tereinander auf. In depressiven Phasen ist die häufig vorhandene Suizidalität zu berücksichtigen, in manischen Pha- sen kann stark selbstgefährdendes Verhalten vorlie- gen. Verlauf, Diagnostik, Differenzialdiagnose und Therapie 4.4 Lernzielkontrolle Affektive Störungen • Verlauf: Bipolare affektive Störungen haben einen phasenhaften Verlauf. Gesunde Phasen wechseln sich mit manischen oder depressiven Die Prüfungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass Episoden ab. Die vollständige Besserung zwi- der Bereich der affektiven Störungen neben dem der schen den Episoden ist charakteristisch für dieses Schizophrenie am ausführlichsten geprüft wird. In Störungsbild. den schriftlichen Prüfungen wird sehr detailliert in • Diagnostik: Die Diagnose kann nur im Verlauf alle Teilbereiche hinein gefragt, ausgesprochen häu- gestellt werden. Eine bipolare affektive Störung fig nach den Diagnosekriterien der ICD-10. Auch liegt vor, wenn mindestens jeweils eine depressi- müssen Symptomenkomplexe der einzelnen For- ve und eine manische Phase durchlaufen wurden. men affektiver Störungen bekannt und zuzuordnen Ein ausführlicher psychopathologischer Befund sein. sowie Anamnese und Fremdanamnese bestim- In den mündlichen Prüfungen werden z. T. eben- men das diagnostische Vorgehen. falls Details gefordert, es geht jedoch eher darum, als • Differenzialdiagnose: Bei einer schizoaflfektiven Prüfling zu zeigen, dass die einzelnen Störungsbilder Störung liegen zusätzlich schizophrene Sympto- in ihrem Auftreten, ihren Ursachen und ihren Ge- me vor; eine Borderline-Persönlichkeitsstörung fahren für den Patienten verstanden worden sind. kann einer bipolaren Störung ähneln. Die Phasen Ebenso ist zu Recht von einem angehenden Heil- Leseprobe von Jürgen Koeslin und Sonja Streiber, „Psychiatrie und Psychotherapie für Heilpraktiker“ Herausgeber: Elsevier Urban & Fischer Leseprobe erstellt vom Narayana Verlag, 79400 Kandern, Tel: 0049 (0) 7626 974 970-0 praktiker für Psychotherapie zu erwarten, dass er der Unterbringung und Abgrenzung seiner eigenen sowohl ausführliche Kenntnisse über Behandlungsmöglichkeiten vorweisen kann. Behandlungskonzepte hat, als auch fundiertes Wissen im Bereich Fragen zur selbstständigen Bearbeitung 1. In welchem Kapitel der ICD-10 werden die en der ICD-10 zu entsprechen. Gibt es Ausnah- affektiven Störungen kodiert und was bedeuten men? die Begriffe unipolar und bipolar? 14. In der medikamentösen Behandlung affektiver 2. Benennen und beschreiben Sie die einzelnen Störungen kommt es auch zum Einsatz von Formen einer Depression. Neuroleptika. Wann und in welcher Form pas- 3. Welche körperlichen Erkrankungen können siert dieses? ursächlich für eine Depression verantwortlich 15. Beschreiben Sie die möglichen Verlaufsformen sein? einer Depression. 4. Welche psychoanalytischen Theorien stehen 16. Welche depressiven Denkmuster sind Ihnen hinter der Entwicklung einer Depression? bekannt? 5. In den Ursachen affektiver Störungen finden 17. Welche Diagnosekriterien müssen laut ICD-10 sich neurochemische Faktoren. Welche sind für eine schwere depressive Episode (F32.2) er das? füllt sein? 6. Welche vegetativen Symptome können eine 18. Was ist laut ICD-10 ein somatisches Syndrom? Depression begleiten? 19. Welche diagnostischen Mittel werden zur Fest- 7. Die Lerntheorie beschreibt für die Depression stellung einer Manie eingesetzt? zwei Erklärungsmodelle. Benennen Sie diese. 20. Bei manischen Patienten werden verschiedene 8. Welche Erkrankungen müssen Sie differenzial Psychopharmaka eingesetzt. Welche sind das diagnostisch von einer Depression abgrenzen? und wie wirken sie? 9. Was ist eine Pseudodemenz? 21. Differenzialdiagnostisch muss von einer Manie 10. Während einer Depression kann es zu forma- die Schizophrenie abgegrenzt werden. Wes len Denkstörungen und Störungen der Psycho- halb? motorik kommen. Welche sind das? 22. Welche typischen Symptome finden sich bei 11. Was können Sie bezüglich der Depression im einer Manie? fortgeschrittenen Lebensalter sagen? 23. Die ICD-10 beschreibt eine Manie mit psycho- 12. In der ICD-10 finden sich sowohl typische als tischen Symptomen (F30.2). Welche Kriterien auch häufige Symptome einer Depression. Be müssen zur Diagnosestellung erfüllt sein. nennen Sie diese und differenzieren Sie bezüg- 24. Welche Symptome kommen bei bipolaren Stö- lich der Schweregradeinteilung zur Diagnose- rungen vor? stellung. 25. Beschreiben Sie den Verlauf einer bipolaren 13. Wie lange müssen die Symptome eine Depres- Störung. sion vorhanden sein, um den Diagnosekriteri- Leseprobe von Jürgen Koeslin und Sonja Streiber, „Psychiatrie und Psychotherapie für Heilpraktiker“ Herausgeber: Elsevier Urban & Fischer Leseprobe erstellt vom Narayana Verlag, 79400 Kandern, Tel: 0049 (0) 7626 974 970-0 Koeslin J / Streiber S Psychiatrie und Psychotherapie für Heilpraktiker 380 Seiten, kart. erschienen 2015 Mehr Bücher zu Homöopathie, Alternativmedizin und gesunder Lebensweise www.narayana-verlag.de
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