Information und Gesellschaft

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Information und Gesellschaft Rafael Capurro Hochschule der Medien Sommersemester 2006 Übersicht Einführung: Mediale (R-)Evolutionen I. Information – Wissen…
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Information und Gesellschaft Rafael Capurro Hochschule der Medien Sommersemester 2006 Übersicht Einführung: Mediale (R-)Evolutionen I. Information – Wissen – Gesellschaft II. Informationsgesellschaft III. Informationspolitik R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 2 Einführung: Mediale (R-)Evolutionen - Strukturwandel der medialen Öffentlichkeit - Kulturen mit vorwiegend mündlicher Tradition: Sokratische Öffentlichkeit; Plato und die Schrift; die Bibliothek des Aristoteles - Das Forum der „Leserwelt“: Kant und die Aufklärung - Die Funktion der politischen Öffentlichkeit und die Massenmedien: Habermas - Aufklärung im Cyberspace: Globalisierung, Privatheit, Inhaltsregulierung, allgemeiner Zugang R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 3 I. Information – Wissen – Gesellschaft • „Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache“ (L. Wittgenstein, Philos. Unters. 43): „Sprachspiele“ und „Lebensformen“ • Begriffsdefinitionen hängen von den Theorien, in denen die Begriffe eingebettet sind, ab R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 4 I. Information – Wissen – Gesellschaft • Information: Wissensmitteilung, das mitgeteilte Wissen • Etymologie: lat. informare = bilden, durch Unterweisung Gestalt geben; gr. idea, morphé: Ontologie (formen) und Epistemologie (mitteilen) • In-formatio und Bildung • Information als interdisziplinärer Begriff R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 5 I. Information – Wissen – Gesellschaft Das nachrichtentechnische Modell von Claude Shannon (1948): R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 6 I. Information – Wissen – Gesellschaft • Ebene A: Wie genau können Zeichen bzw. Symbole übertragen werden? (technische Ebene) (Shannons Problem) • Ebene B: Wie präzis können Symbole die gewünschte Bedeutung übertragen? (semantische Ebene) • Ebene C: Wie effektiv wirkt die empfangene Bedeutung in der gewünschten Weise? (pragmatische Ebene) R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 7 I. Information – Wissen – Gesellschaft Die vier Ebenen des Informationsbegriffs (Siehe: Wikipedia): • Codierung • Syntax • Semantik • Pragmatik R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 8 I. Information – Wissen – Gesellschaft „ES IST WARM“ • Codierung: – 27 Buchstaben des Alphabets – ASCII-Code – Genetischer Code – Braille-Schrift – Binärcode… Wie häufig kommen die Zeichen vor? R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 9 I. Information – Wissen – Gesellschaft • Syntax: – Information als Struktur, die es zu übermitteln gilt. – Grundprinzip der syntaktischen Information ist die Unterscheidbarkeit – Jede Stelle hat im Falle der 27 Buchstaben 27 mögliche „Zustände“ – Im Falle des Binärcodes müssen diese Zustände durch mehrere Bits dargestellt werden – genauer: durch fünf (= 32 Zustände bzw. 2 hoch 5) in der Art: A 00001; B 00010; C 00011; D 00100 … – „ES IST WARM“ = 00101 10011 11100 … R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 10 I. Information – Wissen – Gesellschaft – Je nach der Wahrscheinlichkeit des Auftretens der Zeichen im Zeichenvorrat kann man die Anzahl der Ja/Nein (binären) Entscheidungen unterschiedlich groß machen: für häufige Zeichen benötigt man dann weniger Bits. – Selten auftretende Zeichen haben einen höheren Informationsgehalt. R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 11 I. Information – Wissen – Gesellschaft • Semantik: – strukturierte, syntaktische Informationen werden erst durch die Interpretation verstehbar/verwertbar. – Dazu braucht man ein Bezugssystem: man muss „wissen“, was warm bedeutet. – In diesem Sinne lässt sich sagen, dass Information nicht „übertragen“ wird, sondern erst durch die Interpretation im Zusammenhang mit dem jeweiligen Bezugssystem „entsteht“. – Bezugssysteme können z.B. eine Gehirnzelle, das Gehirn als Ganzes, ein Lebewesen, eine Mensch, eine Institution …sein. R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 12 I. Information – Wissen – Gesellschaft • Pragmatik: – die Information soll den Empfänger verändern – Information (als übertragenes Wissen) muss neu und relevant sein: z.B. man soll sich entsprechend anziehen… R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 13 I. Information – Wissen – Gesellschaft • Zusammenfassung: – Information als Nachricht, Auskunft, Belehrung, Aufklärung (Alltagsbedeutung) – Information als Verringerung von Ungewissheit (Shannon) – Information als Wissensgewinn (Semantik) – Information als Mitteilung, die den Zustand des Empfängers verändert (Pragmatik) R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 14 I. Information – Wissen – Gesellschaft • Information in der Informationswissenschaft (Siehe: Kuhlen A1) – Jenseits der Informationstheorie – Information als „surrogate of knowledge“ (Farradane), da Wissen eine interne kognitive Struktur des Menschen ist, die nicht direkt zugänglich ist – „Sprachspiele“: Das ist keine Information, das weiß ich schon R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 15 I. Information – Wissen – Gesellschaft • Die DIKW-Hierarchie: – Daten -> Information -> Wissen (Knowledge) - > Weisheit/Verstehen (Wisdom/understanding) – Vernetzungs-/Verstehensmodell nach Bellinger et al. • Understanding relations (relations) • Understanding patterns (knowledge) • Understanding principles (wisdom) R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 16 R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 17 I. Information – Wissen – Gesellschaft • Abweichend von der DIKW- Hierarchie/Pyramide wird die folgende Zuordnung der drei Grundbegriffe zu den semiotischen Ebenen so dargestellt: – Daten : syntaktisch – Wissen: semantisch – Information: pragmatisch R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 18 R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 19 I. Information – Wissen – Gesellschaft • Transformationsmodell Wissen – Information nach Kuhlen: – Informationelle Pragmatik – Information ist Wissen in Aktion – Information ist Wissen in Kontext – Das Problem der Validität (Wahrheitswert) der Information: Information in Wissen umwandeln – Das Problem der (Informations- und Wissens-) Autonomie: Auslagerung der Informationsarbeit R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 20 I. Information – Wissen – Gesellschaft • „Informationell autonom zu sein, bedeutet nicht, all das Wissen präsent zu haben, das zur Lösung eines aktuellen Problems gebraucht wird (das wäre Wissensautonomie), wohl aber in der Lage zu sein, selber auf die Informationsressourcen, die auf den Märkten oder in sozialen Beziehungen verfügbar sind, zugreifen und sie produktiv nutzen zu können (oder diese Arbeit bewusst und kontrolliert an entsprechende Ressourcen delegieren zu können.“ (Kuhlen, A 1, S. 17) R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 21 R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 22 I. Information – Wissen – Gesellschaft • „Informationelle Ressourcen werden benötigt, um auf konstruktive und rezeptive Weise Informationsarbeit durchführen zu können. Konstruktive Informationsarbeit dient der Darstellung von Wissen und der aktiven Teilhabe an Diskurse. Rezeptive Informationsarbeit dient der Aufnahme des Wissens anderer, sei es personal oder vermittelt über medial ausdifferenzierte Informationsprodukte, aber auch der Abwehr, dem Ausfiltern und Abblocken von Wissen, das man nicht auf sich einwirken lassen will.“ (Kuhlen, A 1, S. 17) R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 23 I. Information – Wissen – Gesellschaft • „Entsprechend könnte das zentrale Bildungsziel von Informationsgesellschaften, in der ererbte, also nicht selber erworbene Privilegien nicht zählen sollen, darin gesehen werden, im Prinzip jedem die Voraussetzung für informationelle Autonomie zu schaffen. Wissen, zumal es sich nicht im Gebrauch verbraucht, gehört jedem/allen, wenn es denn einmal in die Welt gesetzt worden ist. R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 24 I. Information – Wissen – Gesellschaft Aber es kann nur zum Besitz werden, a) wenn man in technischer Hinsicht darauf zugreifen kann bzw. b) überhaupt Kenntnis von der unüberschaubar gewordenen Vielzahl der im Prinzip verfügbaren Informationsmärkten sich verschaffen kann und wenn man c) Validität (die Semantik) und d) Relevanz (die Pragmatik) der selber erarbeiteten oder von anderen bereitgestellten Informationen einschätzen kann (also informationelle Urteilskraft hat).“ (Kuhlen A 1, S. 17) R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 25 I. Information – Wissen – Gesellschaft • Gesellschaft: einer der vieldeutigsten Begriffe der Soziologie – Im weiteren Sinne: umfaßt alle Organismen – Im engeren Sinne: die menschliche Gesellschaft – G. unterscheiden sich durch ihre Kultur und ihre geographische Eingrenzung – Die Entstehung der modernen „bürgerlichen“ G. (Wirtschaft) und die Trennung von G. und Staat (Hegel): Recht als Grundlage der Gesellschaft; Gesellschaftsvertrag R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 26 I. Information – Wissen – Gesellschaft • Die Gesellschaft in der modernen soziologischen Theorie: Niklas Luhmann – „Soziale Systeme“: Die Grunddifferenz System/Umwelt (anstelle von: Ganzes/Teil) – Die zunehmende Differenzierung der Gesellschaft als rekursive Systembildung: Der Blick des Beobachters ist immer der Blick aus einem Teilsystem der Gesellschaft (=strukturelle Kopplung) R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 27 I. Information – Wissen – Gesellschaft • Keine Koordination durch das Gesamtsystem • (Selbst-) Differenzierung von Gesellschaftssystemen und Interaktionssystemen („Autopoiese“) • Die Gesellschaft läßt sich nicht außerhalb der Gesellschaft beschreiben • Sinn als Medium der Gesellschaft wird kommunikativ erzeugt R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 28 I. Information – Wissen – Gesellschaft • „die Welt ist ein unermeßliches Potential für Überraschungen, ist virtuelle Information, die aber Systeme benötigt, um Information zu erzeugen, oder genauer: um ausgewählten Irritationen den Sinn von Information zu geben.“ (N. L.: Die G. der G., I, 46) • „Sinnhafte Entitäten“ (empirische Objekte, Symbole, Zeichen, Zahlen…) werden rekursiv erzeugt. R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 29 I. Information – Wissen – Gesellschaft • „In der kommunikativen Erzeugung von Sinn wird diese Rekursivität vor allem durch die Sprache geleistet. (…) Darüber hinaus gibt es aber auch Objekte, die als wahrnehmbare Dinge mit sozialem Sinn angereichert werden können (…) man denke an Könige, Münzen, Fußbälle“ (N.L. a.a.O. 48) R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 30 I. Information – Wissen - Gesellschaft • „Das Gesellschaftssystem wird demnach nicht durch ein bestimmtes „Wesen“, geschweige denn durch eine bestimmte Moral (Verbreitung von Glück, Solidarität, Angleichung von Lebensverhältnissen, vernünftig-konsensuelle Integration usw.) charakterisiert, sondern allein durch die Operation, die Gesellschaft produziert und reproduziert. Das ist Kommunikation.“ (N.L. a.a.O. 70) R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 31 I. Information – Wissen – Gesellschaft • „Für das Zustandekommen von Kommunikation ist unerläßlich, daß alle Beteiligten mit Wissen und mit Nichtwissen beteiligt sind.“ (N.L. a.a.O. 70) R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 32 I. Information – Wissen – Gesellschaft • „Man sagt, die Kommunikation übertrage Nachrichten oder Informationen vom Absender auf den Empfänger. Wir werden versuchen, ohne diese Metapher auszukommen“ (N.L. Soziale Systeme 1996, 193) R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 33 I. Information – Wissen – Gesellschaft • „Die Übertragungsmetapher legt das Wesentliche der Kommunikation in der Akt der Übertragung, in die Mitteilung (…) Die Mitteilung ist aber nichts weiter als ein Selektionsvorschlag, eine Anregung.“ (a.a.O. 193-194) R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 34 I. Information – Wissen – Gesellschaft • „Die Selektion, die in der Kommunikation aktualisiert wird, konstituiert ihren eigenen Horizont: sie konstituiert das, was sie wählt, schon als Selektion, nämlich als Information. Das, was sie mitteilt, wird nicht nur ausgewählt, es sich selbst schon Auswahl und wird deshalb mitgeteilt.“ (N.L. a.a.O) R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 35 I. Information – Wissen – Gesellschaft • „Auch diese Überlegung lehrt, daß es bei Kommunikation nie um ein Geschehen mit zwei Selektionspunkten geht – weder im Sinne der Übertragungsmetapher als Geben und Annehmen, noch im Sinne der Differenz von Information uns Mitteilungsverhalten. Kommunikation kommt nur zustande, wenn diese zuletzt genannte Differenz beobachtet, zugemutet, verstanden und der Wahlt des Anschlußverhaltens zu Grunde gelegt wird. R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 36 I. Information – Wissen – Gesellschaft • Dabei schließt Verstehen mehr oder weniger weitgehende Mißverständnisse als normal ein; aber es wrid sich, wie wir sehen werden, um kontrollierbare und korrigierbare Mißverständnisse handeln.“ (N.L. a.a.O. 196) R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 37 I. Information – Wissen – Gesellschaft • Fazit: – Kommunikation als Einheit von Mitteilung, Information und Verstehen. – Informations- und Wissensautonomie sind deshalb nie „absolut“, sondern immer „systemrelativ“. – Man muß die „Informationsgesellschaft“ und ihre (ethischen) Anforderungen – wie z.B. freier Wissenszugang - ausdifferenziert denken, d.h. bezogen auf die Teilsysteme der Gesellschaft. R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 38 II. „Informationsgesellschaft“: Wandel der Konnotationen (nach: D. Klumpp: Informationsgesellschaft – nur eine „symbolische“ Diskussion? In: D. Klumpp et al.: next generation information society? Mössingen 2003, S. 27) • MODERNISIERUNG • ARBEIT • TECHNIKGESTALTUNG • INFRASTRUKTUREN • MEDIENREFORM • WISSEN • NACHHALTIGKEIT • GLOBALISIERUNG • DEMOKRATIE • SICHERHEIT • POLITIKSYMBOLIK R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 39 II. Theorien der IG (1) (nach Webster) • Ökonomische Definition • Technologische Definition • Arbeitsbezogene Definition • Raum-zeitbezogene Definition • Kulturelle Definition (nach Frank Webster: Theories of the Information Society, London 1995) R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 40 II. Theorien der IG (2) (nach Webster) • "The information society as post-industralism“: Daniel Bell • "Information, the Nation State and Surveillance“: Anthony Giddens • "Information and Advanced Capitalism“: Herbert Schiller • "Information Management and Manipulation“: Jürgen Habermas and the Decline of the Public Sphere„ • Information and Restructuring: Beyond Fordism? R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 41 II. Theorien der IG (3) (nach Webster) • Information und Postmoderne – Jean Baudrillard: Verlust des Realen – Gianni Vattimo: Pluralismus – Mark Poster: „mode of information“ – Jean-François Lyotard: das postmoderne Wissen – Ignacio Ramonet: Infotainment – Jeremy Rifkin: The Age of Access R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 42 II. Theorien der IG (4) "modern societies have been... 'information societies' since their inception. There is a fundamental sense... in which all states have been 'information societies', since the generation of state power presumes reflexively gathering, storage, and control of information, applied to administrative ends. But in the nation state, with its peculiarly high degree of administrative unity, this is brought to a much higher pitch than ever before." (A. Giddens: The Social Theory and Modern Sociology, Cambridge 1987: 178; Zitat nach Webster 1997, 59). R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 43 II. Theorien der IG (5) Das gilt ganz besonders für die moderne Kriegsführung, die ebenfalls wesentlich eine Informationskriegsführung ist. Der moderne Staat ist ein Überwachungsstaat. Giddens steht in der Tradition kritischer Sozialtheoretiker wie Karl Marx, Emile Dürckheim und Marx Weber, aber auch in intellektueller Nachbarschaft mit postmodernen Autoren wie Michel Foucault, der Jeremy Benthams Metapher des Panoptikums als eines (informationellen) Überwachungssystems übernimmt. R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 44 II. Theorien der IG (6) Hier sind, wie Webster mit Recht bemerkt, deutliche Anspielungen auch an G. Orwells "Big Brother" (Webster 1995, 73). Giddens hebt aber auch die Chancen der Informationsgesellschaft hervor: Sie muß nicht nur dazu dienen, die Kontrollmöglichkeiten staatlichen Managements zu stärken, sondern sie kann auch die Wahlmöglichkeiten der Bürger mehren (A. Giddens: The Consequences of Modernity, 1990; ders.: Modernity and Self-Identity 1991) R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 45 II. Informationsgesellschaft: „next generation information society“: Claus Leggewie: „Von der elektronischen zur interaktiven Demokratie. Das Internet für demokratische Eliten“ (Klumpp et al. 115ff) – Direkte Demokratie – Assoziative Demokratie – Deliberative Demokratie Zwei Gespenster: – „elektronischer Populismus – „Fragmentierung der Öffentlichkeit“ R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 46 II. Informationsgesellschaft next generation… • Der „gut informierte Bürger“ zwischen dem mäßig an Politik interessierten „Menschen auf der Straße“ und dem Experten • „Das Internet ist Medium und Gegenstand einer „Globalisierung“, die nicht auf wirtschaftliche Vorgänge beschränkt ist, sondern eine kulturelle Kerndimension aufweist und den politischen Prozeß in all seinen Aspekten ergriffen hat.“ (a.a.O. 119) R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 47 II. Informationsgesellschaft next information… • „politikbezogene Digitalisierung“ in folgenden Bereichen: – Parteienkommunikation – Parteienorganisation – Oline-Wahlkämpfen – Bürgerbeteiligung in „digitalen Bürgervereinen“ – Online-Gesetzgebung – Online-Wahlen – Online-Protest R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 48 II. Informationsgesellschaft next information… • „Man weiß aus der (bisher unzureichenden) Forschung über die Wirklichkeit solcher E- Diskurse, dass sie noch stark von den Konventionen herkömmlicher Medien geprägt bleiben. Die Funktion „Sprechen/Schreiben“ (Expression) wird stärker bedient als die Funktionen „Zuhören“ (Reziprozität), „Antworten“ (Responsivität), „andere Standpunkte einnehmen“ (Empathie) und „(Sich- )Überzeugen(-Lassen)“ (Persuasion) R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 49 II. Informationsgesellschaft: next generation… genau jene Elemente also, welche bei interpersonaler Koordinierung und öffentlicher Kooperation besonders wichtig sind. Auch interaktive Medien werden im praktischen Bereich weiter als Instrument der Verteilung und Beschaffung von Information (one-to-many, many-to-one) genutzt und zwar überwiegend von relativen homogenen Gruppen bzw. von Teilnehmern, die im Schutz der Anonymität verharren. (…) Online-Deliberation will also gelernt und eingeübt sein.“ (a.a.O. 125) R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 50 II. Informationsgesellschaft next generation… • „Ob die neuen Medien einen Beitrag zu Transparenz und praktischer Demokratisierung leisten können, ist offen. (…) Der monolitische Mythos E- Democracy ist einer vielfältigen Praxis elektronischer Demokratie gewichen, die, wie nicht anders zu erwarten, Licht- und Schattenseiten hat.“ (a.a.O. 126-127) R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 51 II. Informationsgesellschaft • Informationswirtschaft - Netzwerk- Unternehmen (Siehe: Folien Castells) R. Capurro: Vorlesung Information und Gesellschaft (2006) 52 II. Informationsgesellschaft Informationskulturen • Informationskulturen – ICIE: Localizing the
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