Ein Perfekter Freund - Martin Suter

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Ein interessanter Buch auf Deutsch
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  Martin SuterEin perfekter Freund   Roman   Diogenes 2  Für meine Mutter  3  1 Seine Hand spürte das Gesicht, aber sein Gesicht spürte die Hand nicht.Fabio Rossi ließ sie wieder auf die Bettdecke sinken und versuchte, dorthinzurückzukehren, wo er sich eben noch befunden hatte. An den Ort ohneGefühle, Geräusche, Gedanken und Gerüche.Es war vor allem der Geruch, der ihn davon abhielt, die Augen zu öffnen. Esroch nach Krankenhaus. Er würde noch früh genug erfahren, weshalb er hierwar.Das nächste, was durch das Dunkel drang, war eine Stimme.»Herr Rooossi«, rief sie, wie vom andern Ufer eines Flusses. So weit weg,daß er sie ignorieren konnte, ohne unhöflich zu erscheinen.Die Geräusche entfernten sich, aber der Geruch blieb. Er wurde intensivermit jedem Atemzug. Fabio wollte durch den Mund atmen. Es war ihm, als ob erihn nur zur Hälfte öffnen könnte. Er betastete ihn. Wieder das gleiche Gefühl:Die Finger spürten die Lippen, aber die Lippen die Finger nicht. Doch derMund war offen. Er konnte seine Zähne berühren. Auch sie waren gefühllos,jedenfalls die auf der rechten Seite.Seine linke Gesichtshälfte fühlte sich normal an. Sein Oberkörper ebenfalls.Er konnte auch die Füße bewegen und spürte die Bettdecke an seinen Zehen.Er tastete seinen Arm ab. Am linken Vorderarm stieß er auf ein Heftpflaster,dann auf einen Infusionsschlauch.Fabio spürte Panik hochkommen. Aber noch immer weigerte er sich, dieAugen zu öffnen. Zuerst mußte er sich erinnern, weshalb er im Krankenhauslag.Er befühlte seinen Kopf. Die Haare auf der fremden Hälfte fühlten sichseltsam an. Wie eine Mütze. Ein Verband? Auch auf der linken Seite stimmteetwas nicht. Am Hinterkopf klebte ein Pflaster über einer schmerzendenStelle. Hatte man ihn am Kopf operiert?Hatte man ihm einen Tumor entfernt? Und mit ihm die Erinnerung daran,daß er einen gehabt hatte?Er riß die Augen auf. Der Raum war abgedunkelt. Er konnte eineInfusionsflasche erkennen, die neben dem Bett an einem verchromten Ständerhing. An der Wand stand ein Tisch mit einem Blumenstrauß, darüber einKruzifix. Über seinem Kopf hing ein Haltegriff. Ein Kabel wand sich darum mit einer Klingel, auf die er jetzt panisch drückte.Nach einer Ewigkeit wurde die Tür geöffnet. Eine Gestalt zeichnete sich imNeonlicht des Ganges ab, näherte sich, knipste eine Nachttischlampe an. 4
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