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Verarbeitung sozialer Information Heuristiken Vorlesung Winter, 2013/14 Thomas Kessler 1 Überblick ã Soziale Kognition ã Heuristiken ã Heuristisches…
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Verarbeitung sozialer Information Heuristiken Vorlesung Winter, 2013/14 Thomas Kessler 1 Überblick • Soziale Kognition • Heuristiken • Heuristisches Denken vs. Rationalität • Klassische Heuristiken: Verfügbarkeit, Repräsentativität, Simulation • Magie und Verunreinigung 2 Leitfragen • Was ist soziale Kognition? • Sind Menschen trotz der Verwendung von Heuristiken rational? • Wie funktioniert heuristisches Denken? 3 Was ist soziale Kognition? • „Soziale Kognition ist die Art und Weise, wie wir Informationen über die soziale Realität interpretieren, analysieren, erinnern und verwenden“ (Baron & Byrne, 1997, p. 76). • „Social cognition means cognitive processes and structures that influence and are influenced by social behaviour“ (Hoog & Vaughan, 1998, p. 42) • „Social cognition is a major approach in social psychology, which focuses on the way in which cognition is affected by wider and more immediate social contexts, and how such cognition affects our social behaviour“ (Hogg & Vaughan, 1998, p. 42). 4 Was ist „sozial“ an der sozialen Kognition? 1. Die Objekte der sozialen Kognition sind sozial. 2. Sie resultiert und basiert auf sozialer Interaktion. 3. Sie wird „sozial geteilt“ von verschiedenen Mitgliedern sozialer Gruppen. 5 Soziale Kognition • Stufen der Informationsverarbeitung Gedächtnis, organisiertes Wissen Schlussfolgerungen Anfangskodierung Wahrnehmung Entscheidungen Kategorisierung Urteile Reizereignisse Verhaltensreaktion 6 Heuristiken • „Die Heuristik ist ein kognitives Werkzeug, das soziale Individuen in die Lage versetzt, durch vereinfachte Faustregeln („Daumenregeln“) Urteile zu treffen, die keinen großen Aufwand erfordern, jedoch häufig zu recht guten Ergebnissen führen“ (Fiedler, 1996) 7 Heuristiken II • „The notion of a heuristic highlights the fact that cognitive information processing is rarely exhaustive and guided by logical norms but has to reach a compromise between rationality and economy.“ • „Thus, a heuristic is a cognitive device that enables the social individual to make quite economic judgements by rules of thumb that require little effort but yield quite valid results most of the time.“ • „However, the price of such economy is systematically biased judgements under certain conditions.” 8 Heuristiken und Rationalität • Ist das menschliche Denken weitgehend rational oder durch den Gebrauch von „Daumenregeln“ eher fehleranfällig? • Frühe Untersuchungen betonen die generelle Rationalität des menschlichen Denkens (Peterson & Beach, 1967) • Seit den 80er Jahren wurden aus den psychologischen Labors zunehmend Serien von Fehlentscheidungen berichtet (Heuristics-and-Biases-Programme, Kahneman & Tversky) 9 Heuristiken und Rationalität II • Heuristiken sind Prozesse des Denkens • Regeln der Rationalität (Logik, rational choice) sind Normen des Denkens • Da man viele Jahrhunderte die Normen des Denkens mit den Prozessen des Denkens verwechselt hat (und die explizite Anwendung von Normen des Denkens möglich ist) .... • ... kann man Prozesse des Denkens nur dadurch nachweisen, dass sie zu Abweichungen von den Normen führen. 10 Heuristiken Die klassischen Heuristiken: • Verfügbarkeitsheuristik • Simulationsheuristik • Repräsentativitätsheuristik • Anpassungs“heuristik“ 11 Verfügbarkeitsheuristik • Anwendung: Urteile über Häufigkeiten und Wahrscheinlichkeiten • Beispiel: Was kommt häufiger vor? Wörter mit einem „r“ am Anfang oder Wörter mit einem „r“ an dritter Stelle? • Zumindest im Englischen gibt es mehr Wörter mit „r“ an dritter Stelle, aber man kann sich leichter Wörter vorstellen, die ein „r“ an erster Stelle haben. 12 Verfügbarkeitsheuristik • Wie funktioniert die Verfügbarkeitsheuristik? • Ist es die Menge der Beispiele (deklaratives Wissen), die einem einfallen, die die Urteile beeinflussen? • Oder ist es die Leichtigkeit („experiental knowledge“) mit der einem Bespiele einfallen? • Studie von Schwarz, Bless, Strack, Klumpp, Rittenauer-Schatka & Simons, 1991 13 Verfügbarkeitsheuristik • Manipulation der Menge der Beispiele, an die sich die Versuchspersonen erinnern sollen. Gleichzeitig die Manipulation der Leichtigkeit des Abrufs: Vpn sollen sich an 6 (leicht) oder an 12 (schwer) Ereignisse erinnern, in denen sie sich selbstbewusst (bestimmt) verhalten haben. • Gemessen wurde anschließend, wie sehr sich die Versuchspersonen als selbstbewusst bzw. zurückhaltend einschätzen. 14 Verfügbarkeitsheuristik 6,5 6,3 6,2 Eingeschätzte Durchsetzungsfähigkeit 6 6 Beispiele 5,5 5,2 5,2 12 Beispiele 5 4,5 Durchsetzungsfähig Zurückhaltend Art des Erinnerten Verhaltens 15 Verfügbarkeitsheuristik • Implikationen und Fragen: • Was bedeuten diese Ergebnisse für Einschätzungen im Alltag? • (Partnerbeziehung, Probleme der eigenen Kinder, Therapie, usw.) • Was passiert, wenn die Leichtigkeit des Abrufs nicht mehr diagnostisch (informativ) ist? 16 Simulationsheuristik • Anwendung: Beurteilung von Ereignissen • Beispiel: Zwei Männer nehmen ein Taxi zum Flughafen. Beide haben unterschiedliche Flüge gebucht, die zur selben Zeit starten. Das Taxi bleibt im Stau stecken, es kommt eine Stunde zu spät zum Fughafen. Beide Männer verpassen ihren Flug. Der eine erfährt, dass sein Flug pünktlich gestartet ist, der andere, dass sein Flugzeug beinahe eine Stunde Verspätung hatte und gerade über die Rollbahn startet. • Welcher der beiden Männer ärgert sich mehr? 17 Simulationsheuristik • Veränderlichkeit (mutability): Routine und Ausnahmen • Auf seinem Weg von der Arbeit wird Mr. Jones von einem Lastwagen gerammt und stirbt noch an der Unfallstelle. In den Tagen nach dem Unfall, hört man Freunde und Verwandte von Mr. Jones sagen: „Hätte er doch nur …“ (Geben Sie bitte eine oder mehrere Vervollständigungen dieser Sätze an) 18 Simulationsheuristik • Bedingung 1: Am Tage seines Unfalls fuhr Mr. Jones eine unübliche Strecke. Er musst nichts für das Abendessen einkaufen, deswegen wollte er die Zeit nutzen und die schöne Strecke am Meer entlang fahren, um die Aussicht zu genießen. • Bedingung 2: Am Tage seines Unfalls fuhr Mr. Jones etwas früher nach Hause, denn er musst noch etwas für das Abendessen einkaufen. Er fuhr die normale Strecke nachhause, obwohl er manchmal einen kleinen Umweg machte und am Meer entlang fuhr. 19 Simulationsheuristik • Was wird in den „was wäre wenn“-Sätzen (counterfactual thoughts) verändert? • Routinen versus Ausnahmen • Sicheres versus unsicheres Wissen • Ursachen versus Effekte • Hintergrundakteure versus fokale Akteure 20 Repräsentativitätsheuristik • Anwendung: Typikalität eines Exemplars bestimmt die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Exemplar in eine bestimmte Kategorie gehört. • Beispiel: Welche Geburtenfolge ist wahrscheinlicher? 1. Junge, Junge, Junge, Junge, Junge, Junge 2. Junge, Mädchen, Junge, Mädchen, Junge, Junge 21 Repräsentativitätsheuristik I • Linda-Problem: Linda ist 31 Jahre alt, unverheiratet, extravertiert und intelligent. Sie hat während ihres Studiums Seminare in Philosophie belegt, interessierte sich als Studentin sehr für Rassendiskriminierung und soziale Ungerechtigkeit und nahm an Demonstrationen gegen Atomwaffen teil. a) Ist Linda bei einer Bank angestellt? b) Ist Linda bei einer Bank angestellt und aktive Feministin? 22 Repräsentativitätsheuristik II • Linda-Problem: Linda ist 31 Jahre alt, unverheiratet, extravertiert und intelligent. Sie hat während ihres Studiums Seminare in Philosophie belegt, interessierte sich als Studentin sehr für Rassendiskriminierung und soziale Ungerechtigkeit und nahm an Demonstrationen gegen Atomwaffen teil. Es gibt 100 Frauen, deren Beschreibung der von Linda entspricht. Wieviele von diesen Frauen sind a) bei einer Bank angestellt? b) bei einer Bank angestellt und aktive Feministinnen? 23 Repräsentativitätsheuristik III • Wo liegt der „Fehler“ beim Linda-Problem: • Eine Teilmenge kann niemals wahrscheinlicher sein, als eine Gesamtmenge (Bankangestellte versus Bankangestellte und Feministin) • ABER: Was verstehen die Versuchspersonen? • Bankangestellte und keine Feministin versus Bankangestellte und Feministin 24 Basis-Raten • Vernachlässigung von Basisraten • Diagnoseproblem: – Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau einer bestimmten Altersgruppe Brustkrebs hat, beträgt 1 Prozent. – Wenn eine Frau dieser Altersgruppe Brustkrebs hat, dann beträgt die Wahrscheinlichkeit 80 Prozent, dass sie ein positives Testergebnis in der Mammographie erhält. – Wenn eine Frau dieser Altersgruppe kein Brustkrebs hat, dann beträgt die Wahrscheinlichkeit 10 Prozent, dass sie dennoch ein positives Testergebnis in der Mammographie erhält. – Wie wahrscheinlich ist es, dass eine Frau bei einem positiven Befund in der Mammographie auch tatsächlich Brustkrebs hat? 25 Basis-Raten • Vernachlässigung von Basisraten • Diagnoseproblem: – 10 von 1000 Frauen einer bestimmten Altersgruppe haben Brustkrebs. – Von den 10 Frauen mit Brustkrebs haben 8 einen positiven Befund in der Mammographie. – Von den 990 Frauen ohne Brustkrebs haben 99 einen positiven Befund, aber keinen Brustkrebs. • Natürliche Häufigkeiten reduzieren die Vernachlässigung der Basisraten 26 Anpassungs“heuristik“ • Anwendung: Ein Urteil wird durch einen zufällig gegebenen Wert verzerrt. Das Urteil bewegt sich in Richtung des gegebenen Wertes. • Beispiel: – 1. Bedingung: Ein Freund von Ihnen hat einen super Urlaub in Griechenland verbracht. Er meinte der Urlaub hat ihn etwa 7000 Euro gekostet. Sie planen nun selbst Ihren Urlaub in Griechenland. Beschreiben Sie bitte, wieviel Sie ausgeben werden. – 2. Bedingung: Ein Freund von Ihnen hat einen super Urlaub in Griechenland verbracht. Er meinte der Urlaub hat ihn etwa 1000 Euro gekostet. Sie planen nun selbst Ihren Urlaub in Griechenland. Beschreiben Sie bitte, wieviel Sie ausgeben werden. 27 Anpassungsheuristik • Wieviele afrikanischen Staaten sind in der UN? 28 Anpassungsheuristik • Wieviele afrikanischen Staaten sind in der UN? 29 Zusammenfassung der Heuristiken Heuristik Anwendungsgebiet Beispiel Verfügbarkeit Urteile über Häufigkeiten oder Die Abrufbarkeit von Wahrscheinlichkeiten Risikoereignissen bestimmt die Beurteilung von Risiken Repräsentativität Urteile über die Die Reihe Kopf-Zahl-Kopf- Wahrscheinlichkeit, daß ein Zahl ist repräsentativer für ein Ereignis in eine Kategorie gehört Zufallsereignis als die Reihe Kopf-Kopf-Kopf-Kopf Anpassung Quantitative Schätzungen Kostenkalkulationen sind in Richtung des Ausgangswertes verzerrt Simulation Kontrafaktisches Denken Bewertung und Vergleich von Situationen mit vorgestellten Alternativen. 30 Magie und Heuristiken • Verunreinigung • Ähnlichkeit 31 Magie und Heuristiken • Durch Ähnlichkeit werden Eigenschaften eines Objekts mit einem anderen assoziiert. • Beispiel: Ekelempfindung und Ähnlichkeit 32 Falscher Ruhm • Ruhm wird über die Vertrautheit oder Bekanntschaft mit Namen in Verbindung gebracht. • Beispiel: Eine Liste mit 19 Frauennamen (einige berühmte) und 20 Männernamen (nicht berühmte). Die Vpn sollen einschätzen, ob mehr Frauen oder Männer in der Liste vorkommen. 33 Falscher Ruhm • Versuchspersonen lesen einige Tage vor dem Experiment eine Liste mit Namen. • Im Experiment bekommen sie wieder eine Liste mit Namen und sollen einschätzen, wo mehr berühmte Menschen vorkommen. • Je mehr Namen aus der ersten Liste auch in der zweiten vorkommen, desto größer wird die Berühmtheit der Menschen in dieser Liste eingeschätzt. 34 Stimmung als Heuristik (Ausblick auf das nächste Mal) • Bei Urteilen wird die eigene Stimmung als Information herangezogen (Schwarz & Clore, 1983) Life satisfaction 8 7 6 5 4 No Weather attribution attribution FIG. 6.1 Mean life satisfaction scores for respondents interviewed on rainy or sunny days when weather is or is not made salient as a source of their mood states (Schwarz and Clore, 1983). 35 Zusammenfassung  Soziale Kognition ist sozial, weil ihre Inhalte (Objekte) sozial sind, sie durch soziale Interaktionen beeinflusst wird und sozial geteilt ist.  Heuristiken sind Prozesse des Denkens die eine ökonomische und meistens akkurate Urteilsfindung erlauben.  Die klassischen Heuristiken sind die Verfügbarkeitsheuristik, Simulationsheuristik, und die Repräsentativitätsheuristik. 36 Literatur • Gilovich, T., Griffin, D., & Kahneman, D. (2002). Heuristics and biases. The psychology of intuitive judgment. Cambridge University Press. 37
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