10.11.04, Entspannungsmethoden, B.Quednow

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Das wissenschaftliche Experiment Tutorium: Medizinische Psychologie Boris B. Quednow WS 2004/05 Planung von Experimenten  Schritte:  Theorie …
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Das wissenschaftliche Experiment Tutorium: Medizinische Psychologie Boris B. Quednow WS 2004/05 Planung von Experimenten  Schritte:  Theorie  Fragestellung  Welche Gruppen sollen verglichen werden  Welche Variablen sollen bei den Gruppen erhoben werden  Welches sind die UV und AV  Welche Störvariablen oder Moderatorvariablen gibt es  Wie kann ich diese kontrollieren oder ausschalten  Wie groß muss meine Stichprobe sein  Wie gewährleiste ich die Repräsentativität und Vergleichbarkeit der Stichproben  Wie führe ich das Experiment durch  Ist das Experiment ethisch vertretbar? Entspannungsmethoden Tutorium: Medizinische Psychologie Boris B. Quednow WS 2004/05 Was ist Entspannung?  Mehr als bloßes Fehlen von Anspannung  Zustand mit gesenktem biologischem Energieumsatz  Angenehm empfundener psychophysiologischer Zustand  Physiologische Veränderungen:  Tonusverminderung der Muskulatur  Periphere Vasodilatation (Wärmegefühl)  Verlangsamung und größere Gleichmäßigkeit von Atmung und Herzschlag  Abnahme der Hautleitfähigkeit  Freisetzung verschiedener Neurotransmitter  Zunahme der Magenmotorik  Psychische Veränderungen:  Körperliche und psychische Gelöstheit  Erholung  Gelassenheit gegenüber Außen- und Innenreizen  Fehleinschätzungen von Zeit  Zerfließen von Körpergrenzen Entspannungsebenen  Subjektiv kognitive Ebene  Denken, Gefühle, Wahrnehmungen  Physiologisch vegetative Ebene  Herzschlag, Atmung, Verdauung  Motorische Ebene  Muskeltonus, Mimik  Ebenen stehen in enger Verbindung zueinander  Ziel: über eine Ebene, die anderen Ebenen manipulieren  Autogenes Training setzt an subjektiv kognitiver Ebene an  Biofeedback auf der physiologisch vegetativen Ebene  Progressive Muskelentspannung auf der motorischen Ebene  Motorische Ebene ist am leichtesten zu beeinflussen Einsatzmöglichkeiten von Entspannungsverfahren  Vor potentiell belastenden Situationen  Nach belastenden Situationen zur Senkung der Aktivierung  Patienten mit Angststörungen (z.B.Phobien)  Angst und Entspannung sind inkompatible Zustände  Patienten mit psychosomatischen Beschwerden  Bluthochdruck  Spannungskopfschmerz  Patienten mit Schlafstörungen Mögliche Nebenwirkungen  Entspannungsinduzierte Angstzustände  Depersonalisationsphänomene  Übelkeit, Kopfschmerzen  Evtl. störende Auswirkungen  Magenknurren  Gähnen, Frösteln, Kribbeln in den Fingern  evtl. Paradoxe Effekte: Herzfrequenzanstieg, Muskelzucken  evtl. sexuelles Arousalanstieg Kontraindikationen bzw. vorsichtige Anwendung bei  Hypotonie  Durch Entspannung weiteres Absinken des Blutdrucks  Asthma  Verlangsamung der Atmung und Verengung der Bronchien  Herzrhythmusstörungen oder Extrasystolen  Bei akuten Migräneattacken  Vasodilatation peripherer Gefäße mit Verschlimmerung der Beschwerden  Aber zwischen den Attacken verringert Entspannung die Wahrscheinlichkeit für neue Attacken Voraussetzungen  Ruhige Atmosphäre (Telefon aus,..)  Angenehme Sitz-, Liegeposition  Lockere Kleidung  Sich Zeit nehmen  Regelmäßiges Üben  Bereitschaft zu „Kontrollverlust“ Methoden  Medikamente / Drogen (Alkohol): Nebenwirkungen, keine Langzeitwirkungen, Suchtpotential, kein Erlernen von Bewältigungsstrategien  Hypnose: passives Verfahren, hohe Suggestibilität notwendig, nicht allein und gezielt anwendbar  Autogenes Training: „Selbsthypnose“, hohe Konzentrationsfähigkeit notwendig  Meditative Verfahren: meist religiöser / esoterischer Hintergrund, nicht für jeden erlernbar  Biofeedback: hoher apparativer Aufwand bei nicht höherer Effektivität als andere Verfahren  Progressive Muskelentspannung nach Jakobson: gezielt situativ anwendbar, leicht erlernbar, hauptsächlich körperliche Entspannung Hypnose  Geschichte  Hypnose: passives Verfahren, hohe Suggestibilität notwendig  ältestes Verfahren mit medizinischer, psychotherapeutischer und psychosomatischer Tradition  1734-1815 Franz Anton Mesmer (Mesmerismus: Störungen des Magnetismus für Krankheiten verantwortlich, durch Hypnose wieder in Gleichgewicht)  Paris (Charcot, Freud, Breuer): Behandlung von hysterischen und dissoziativen Störungen  Letztes Jahrhundert: Hull& Hilgard (USA) wissenschaftliche Erforschung im Labor  Erikson: Vertreter der Hyppnotherapie Hypnose  Grundlagen  Suggestibilität: Persönlichkeitsmerkmal, korreliert am stärksten mit Phantasiebegabung, Tagträumen, Motivation wichtig  Trance: Bewusstseinszustand mit vermehrter psychosomatischer Durchlässigkeit und kognitiver Flexibilität  Physiologische Korrelate: hirnphysiologisch (Durchblutungsveränderung, theta-Aktivität), endokrinologisch (Stresshormone sinken), immunologisch (Leukozytenmobilität steigt, bessere Wundheilung), zentralnervös (Tonusveränderung), vegetativ (trophotrope Umstellung)  Psychische Veränderungen: Trancelogik (Bilder, Botschaften, Toleranz gegenüber Inkongruenz), erhöhte Erinnerungsfähigkeit (Kindheit), Amnesie, Leistungsfähigkeit, Aufmerksamkeit, Emotionalität, Zeitwahrnehmung Meditation/Yoga  Kontrolle von Körpervorgängen durch selektive Aufmerksamkeit (Atmung)  Konzentrativ (Selbstversenkung)  Entfaltend (Auseinandersetzung mit Lebensvorgängen)  Beide Hemisphären gleich aktivieren (rechte in westl. Kultur weniger benutzt)  Senkung autonomer Funktionen (Entspannung)  Bewusstmachung von sonst unzugänglichen Inhalten  Methoden: Mantras, Eigenfarbe, Musik, Mandalas, Phantasiereisen Biofeedback  Bewusste vs. unbewusste Körpervorgänge (Herzschlag vs. Muskelbewegung)  Zusammenhang Stress und bewusste/unbewusste Prozesse  Herzschlag, Hirnströme, Muskelanspannung (EKG, EEG, EMG) werden in optische/akustische Signale umgesetzt und rückgemeldetFeedback  Ziel: Selbst gezielt „unbewusste“ Prozesse verändern  Anwendung: Schmerzen, Verspannung, Migräne  Forschungsstand: Es funktioniert, aber der technische Aufwand ist nicht gerechtfertigt, da man sich mit anderen Methoden genauso oder besser entspannen kann. Autogenes Training (Johannes Heinrich Schultz, 1920)  Selbstkontrolle, mentale Konzentration führt zu Entspannung („konzentrative Selbstentspannung“)  Passive Konzentration  Abgeleitet von Hypnose („Autosuggestion“)  Regelmäßiges Üben  Geht über Entspannungsverfahren hinaus, da auch Aufdeckung von Problemen  Grundstufe (6 Übungen)  Oberstufe (Vorsätze, Bilder, Fragen) Prinzipieller Ablauf des AT  Grundhaltung einnehmen (Droschkenkutscherhaltung)  Grundeinstellung (zwischendurch immer wiederholen): Ich bin ganz ruhig  Der rechte Arm ist ganz/angenehm schwer  Der linke Arm ist ganz/angenehm schwer  Die rechte Hand ist wohlig warm  Die linke Hand ist wohlig warm  Die Atmung ist ganz ruhig - es atmet in mir  Das Herz schlägt ruhig, kräftig, regelmäßig  Das Sonnengeflecht (der Bauch) ist ruhig und strömend warm  Die Stirn ist angenehm kühl  Das Schulternackenfeld ist schwer und warm und ruhig  Rücknahme: Arme fest - tief durchatmen - Augen auf Progressive Muskelrelaxation (Edmund Jakobson, 1938)  Entspannung geht mit entspannten Muskeln einher bzw. ein entspannter Körper führt zu einem entspannten Geist  1. Beobachten von Anspannung in verschiedenen Muskelgruppen (5-6 Sek)  2. Bewusste Entspannung der Muskeln und Beobachtung des Unterschiedes zwischen An- und Entspannung (12 Sek)  Bei Erlernen zunächst bewusste An- und Entspannung, später nur noch Entspannung nach der Wahrnehmung von Anspannung (Differentielle Entspannung)  Grundprinzipien:  Erweiterung (auf mehr Muskelgruppen)  Verkürzung (mit zunehmender Erfahrung Muskelgruppen zusammenfassen) Prinzipieller Ablauf der progressiven Muskelentspannung  Grundhaltung (Handflächen nach unten, Augen schließen)  Eingangsimpuls: Ich werde nun ganz ruhig  2x Hand rechts, 2x Hand links  2x beide Unterarme (Handflächen nach oben drehen) hochziehen  2x beide Unterarme (Handflächen nach oben drehen) auf die Knie drücken  2x beide Oberarme (Hand auf Schulter legen und Oberarm anspannen)  2x Augenbrauen hochheben und Stirn kräftig runzeln  2x Augen kräftig schließen  2x Zähne aufeinanderbeißen, Kiefer anspannen  2x Lippen aufeinanderpressen  2x Kopf nach hinten drücken, zur rechten Seite drücken, zur linken Seite drücken  2x Kinn gegen Brust drücken  2x Schultern hochziehen, nach vorne drücken, nach hinten drücken Prinzipieller Ablauf der progressiven Muskelentspannung II  2x Bauchmuskeln nach außen pressen  2x Bauchmuskeln nach innen einziehen  2x Rücken/Brust nach oben/vorne wölben, dabei auf Arme/Schultern abstützen  2x Gesäßmuskeln und Oberschenkel anspannen  (Füße nach vorne strecken:)  2x Füße/Zehen nach vorne/unten drücken (vom Körper weg)  (Füße nah heranstellen), 2x Fersen heben, 2x Zehen hochziehen  Entspannung der Gesamtperson: Hände, Arme, Gesicht, Schultern, Bauch, Rücken, Beine  Rücknahme: 4 – Bewegen Sie die Füße ein wenig. 3 – Bewegen Sie die Beine. 2 – Räkeln Sie sich mit den Armen. 1 – Räkeln Sie sich kräftig. 0 – Öffnen Sie die Augen. Sie fühlen sich erfrischt
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